nicos AG ERP-Auswahl

Feinjustierung – Testen als wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung

Teil 4 des ERP-Tagebuchs der nicos AG

Das ausgiebige Testen einer ERP-Software gehört zum Implementierungsprozess dazu. Dessen war sich die nicos AG, Spezialist für sichere, globale Datenkommunikation von Anfang an bewusst. Erfahren Sie im vierten Teil und letzten Teil des ERP-Tagebuchs, wie die nicos AG diese wichtige Phase umgesetzt hat.  

Vertrauen ist gut – positiv verlaufende Tests noch besser: Das war uns von Anfang an klar, da der Nutzen und die Akzeptanz eines neuen ERP-Systems zum großen Teil von der Qualität der Software und des Customizings abhängen.

Insofern waren umfassende Funktionstests ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Implementierung von godesys ERP in unserem Unternehmen. Denn wir sind davon überzeugt, dass ein professionelles, standardisiertes Testmanagement die Qualität bei der Einführung erhöht und maßgeblich dazu beiträgt, Kosten für potenzielle Nachbesserungen auf einem angemessenen Niveau zu halten.

Test Driven Implementation – besser testen

Bei unserem Projekt „ERP-Implementierung“ betrug der Kostenanteil für das Testen und das Qualitätsmanagement durch godesys 20 Prozent des Customizing-Budgets – ein Wert im Bereich des Üblichen.

Bei vergleichbaren Softwareprojekten variieren diese Kosten je nach Projektart zwischen 20 Prozent und 50 Prozent des Gesamtbudgets. Die Erfahrung lehrt zudem: Wer beim Testen Einsparungen realisieren will, hat oftmals nachträglich weitaus teurere Korrekturmaßnahmen und einen hohen Wartungsaufwand zu stemmen. 

Der Bedeutung von Tests waren wir uns schon zu Beginn des Projekts bewusst und haben daher eigens dafür ein beträchtliches Zeitkontingent eingeplant.

Bereits in der Projektphase „Vorbereitung und Initiierung“ haben unsere Teammanager gemeinsam mit godesys ein Testkonzept erarbeitet. Darin wurden unter anderem strategische Ansätze beschrieben – beispielsweise die Teststufen und -methoden.

Zusätzlich gab das Konzept Auskunft zu Testplanung, Durchführung und Dokumentation. Schon zu diesem Zeitpunkt in der Projektlaufzeit haben wir verschiedene Testläufe durchgeführt. Diese erstreckten sich insbesondere auf die Themengebiete Funktionalität, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Übertragbarkeit von Daten.

Security-Awareness

Bereits im Frühjahr 2016 haben unsere Datenschutzbeauftragte Sarah Lammers und unser Informationssicherheitsbeauftragter Michael Braun das godesys ERP-System auf sicherheitsrelevante Aspekte geprüft. Auf Basis eines Fragenkataloges legten sie den Fokus auf folgenden Themengebiete:

• Authentifizierung

• Zugriffsrechte

• Protokollierung

• Datensicherung

Die Gesamtplanung sah vor, diesen Fragenkatalog zum Ende des Projekts erneut zu prüfen, um hier auch die Releasewechsel und realisierten Anpassungen zu berücksichtigen.


Performance-Tests und Lasttests

Die Perfomance-Tests, also die Messung der Verarbeitungsgeschwindigkeit und Antwortzeit von godesys ERP, waren und sind in unserem Konzept seit Einführungsbeginn von besonderer Bedeutung. Die Projektbeteiligten seitens nicos und godesys waren sich einig, dass schlechte Ergebnisse in diesem Bereich maßgeblich die Anwenderakzeptanz beeinflussen und sogar bis zur Ablehnung des ERP-Systems führen können.

Ein weiteres Prüfkriterium war, ob die eingesetzte Hardware mit dem installierten ERP-System unter Last, das heißt im produktiven Einsatz in unserem Unternehmen, die Anzahl der Anwender, die verarbeiteten Daten und Funktionsaufrufe performant unterstützen kann.

Diese sogenannten Lasttests geben Auskunft über die prognostizierte Belastbarkeit des Systems. Das Risiko, dass sich Performance-Probleme erst im laufenden Betrieb mit allen Anwendern zeigen, sollte somit möglichst vor dem finalen Go Live ausgeschaltet werden.

Unsere Netzwerk- und Systemspezialisten haben gemeinsam mit den godesys IT-Experten zahlreiche Tests durchgeführt. So wurde beispielsweise der ERP-Datenverkehr in unserem hauseigenen Netzwerk in Teilen aufgezeichnet und analysiert.

Die Statistiken zum Datenfluss halfen uns dabei, die Probleme nachvollziehbar zu machen. Aufgrund der Komplexität des godesys ERP-Systems in Verbindung mit dem Netzwerk gestaltete sich die Fehlereingrenzung zunächst schwierig.

Einzelne Maßnahmen zur Verbesserung der Performance wurden umgesetzt, waren aber aus Sicht unserer Anwender nicht zufriedenstellend. Daher hat unser Vorstand eine weitergehende Analyse beauftragt. Auf verschiedenen Ebenen wurden die Applikationen hinsichtlich potenzieller Schwachstellen gescannt. Wie genau? Vereinfacht ausgedrückt hat ein Roboter Arbeitsabläufe nachgestellt und Last erzeugt. Parallel wurden Messungen durchgeführt, die zeigten, in welchem Schritt das jeweilige System langsamer wurde, wo also mit Geschwindigkeitseinbußen zu rechnen war.

Gemeinsam mit dem Key User Team haben die nicos Techniker weitere Test vorgenommen und letztlich den Konfigurationsfehler im ERP-System gefunden. Nachdem dieser behoben wurde, gewann das System deutlich an Leistung.

Anwendertests und User Acceptance Tests

Das Gesamtsystem und die realisierten Anpassungen in godesys ERP haben wir unmittelbar nach der Installation und Bereitstellung getestet.

Dabei haben wir zunächst geprüft, ob die definierten und umgesetzten Eigenschaften der einzelnen godesys Calls fehlerfrei funktionieren. Basis für die Tests waren die Beschreibung der Anforderungen sowie die godesys Dokumentation der einzelnen Customizings.

Zu einem späteren Zeitpunkt haben wir die Anpassungen des Gesamtsystems prozessbasiert funktionalen Tests unterzogen. Dafür hatte unser Key User Team einen umfangreichen Testfallkatalog zusammengestellt.

Die Testbeispiele legten besonderes Augenmerk auf relevante prozessuale Teilschritte der operativen Bereiche und berücksichtigten die Abhängigkeiten der Softwareanpassung untereinander sowie eine mögliche gegenseitige Beeinflussung in den Tests. Diese umfangreichen Testfälle stellten die Basis für einen zweigeteilten Workshop im April und Mai 2017.

Gemeinsam mit godesys haben die Key User die Funktionalitäten und Anpassungen am godesys ERP-System getestet. Während der Erprobung erkannte Fehler wurden über den Call-Manager zur Bearbeitung an die Spezialisten von godesys weitergegeben.

Letztendlich erfolgten die „Anpassungs-/Teilabnahme-Tests“ wie allgemein üblich in zwei Stufen. Die erste Stufe prüfte die Funktionalität einzelner Anpassungen. Die zweite Stufe untersuchte, ob die zu unterstützenden Geschäftsprozesse im ERP-System gesamtheitlich auch unter Nutzung neuer Funktionalität fehlerfrei realisiert wurden.

Schnittstellentests und Datenmigrationstests

Eine weitere wichtige Komponente im Testablauf: die anzupassenden Schnittstellen. Insbesondere die Anbindung von nicos BASIL war für die Realisierung und den Betrieb unserer Dienstleistungen von besonderer Bedeutung.

Die Tests der Schnittstellen haben sich in der Vorgehensweise nicht wesentlich von den oben beschriebenen Testabläufen unterschieden. Unser Straßenbauer-Team musste allerdings noch weitere Systeme miteinbeziehen, an die das ERP-System angebunden werden sollte.

Auch die automatisierten Datenübernahmen, die mit Skripten und Exportroutinen realisiert wurden und werden, mussten geprüft werden. Aufgrund unserer proprietären Datenstrukturen wurde beispielsweise bei den Stammdaten zuerst die Übertragung der Altsystemdaten in eine csv-Datei vorgenommen.

Die Festlegung von Schlüssellogiken sowie der Aufbau von Mapping-Tabellen erlaubten uns die Vorbereitung der Stammdaten-Migration. In Form einer maschinellen Logikprüfung konnten wir die Qualität der Daten prüfen.

Im nächsten Schritt haben unsere Experten dann die Datenübernahme in das ERP-System – zunächst in die Testumgebung – durchgeführt. Die Datenqualität wurde auf Basis einer definierten Stichprobe und Fehlertoleranz von den Anwendern geprüft. Im Anschluss erfolgte die finale Übernahme in die ERP-Echtumgebung. Dieses Verfahren half uns enorm dabei, Qualitätsverluste auf ein Minimum zu reduzieren.

Fazit

Prinzipiell ist es nie zu früh, mit der Testplanung anzufangen. Ein strukturiertes Vorgehen hilft, Testziele und Zuständigkeiten zu definieren und Wissenstransfer zu ermöglichen.

Wir haben festgestellt, dass es sich mit dem Testen verhält wie mit einem Wespennetz – wo einmal Fehler gefunden worden sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass noch andere vorhanden sind.

Grundsätzlich ist vor dem folgenden häufigen Trugschluss zu warnen: Keine Fehler gefunden zu haben, bedeutet nicht automatisch, dass alles perfekt ist, zumal ein vollständiges Testen nicht möglich ist.

In jedem Fall tragen Tests zu einer Verbesserung der Qualität des ERP-Systems bei, sollten zugleich aber auch wirtschaftlich sein. Das heißt: Testen ist sinnvoll, solange die Kosten für das Finden und die Beseitigung eines Fehlers niedriger sind als die Kosten, die mit dem Auftreten eines Fehlers bei der Nutzung verbunden sind. Denn völlig fehlerfreie Systeme gibt es nicht.

Lesen Sie im ersten Teil des ERP-Tagebuchs, wie die nicos AG die Anbieterauswahl gestaltet hat.  

Lesen Sie im zweiten Teil des ERP-Tagebuchs, wie die nicos AG den Widerständen im eigenen Haus begegnet. Stichwort: Change Management.

Lesen Sie im dritten Teil des ERP-Tagebuchs, wie die nicos AG Herr über das Datenchaos wird. 

 

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