Michael Siedler ERP-Auswahl ERP System, Cloud, Retail, Strategie

Experten-Interview: Warum die Cloud die Zukunft des Retail ist.

Der Handel im Wandel. Regeln, die jahrzehnte-, wenn nicht gar jahrhundertlange galten, sind heute obsolet. Mit Online-, Multi- und Omni-Channel scheinen die Zeiten des stationären Einzelhandels vorbei zu sein. Doch statt einen Schwanengesangs anzustimmen, müssen neue Lösungen her. In unserem Experten-Interview berichtet Michael Siedler von der godesys AG, was sich in puncto Handel geändert hat, und wie Händler sich ihr verdientes Stück vom Kuchen zurückerobern können.

Herr Siedler, Sie sind im Hause godesys ein ausgesprochener Retail Experte. Wie hat sich in Ihren Augen der Einzelhandel in den letzten Jahren verändert?

Der Einzelhandel ist im massiven Wandel und steht derzeit sicher gewaltig unter Druck. Der Trend geht eindeutig immer mehr in Richtung Kauf im Internet. Der reine stationäre Handel muss sich unbedingt etwas einfallen lassen.  Es ist sicher branchenabhängig, aber der „Laden“, wie es ihn früher einmal gegeben hat, existiert schon lange nicht mehr. Selbst die Filialketten und Einkaufszentren, die in den letzten Jahren den Markt dominiert haben, kämpfen inzwischen immer mehr gegen das Internetgeschäft, welches besonders von den jungen Menschen wesentlich stärker angenommen wird als vielleicht geglaubt.

Kann man sagen, dass die Kunden von heute neue Erwartungen an den Einzelhandel herantragen?

Ja sicher! Kunden wollen mehr Auswahl, mehr Service, ein bequemeres Einkaufserlebnis. Von Amazon & Co. sind sie gewohnt, alles überall und jederzeit zu bekommen. Allerdings möchte ich betonen: Es kommt  auf das Sortiment und auf die Branche an. Manche haben es im Internet wesentlich einfacher und andere wiederum im stationären Handel. Viele Produkte will man schon noch anschauen, angreifen, ausprobieren oder sogar riechen oder spüren. Das geht im Internet glücklicherweise noch nicht wirklich.

Früher hieß es immer: Der Einzelhandel punktet im Vergleich zum Online-Handel mit dem Service. Ist das heute noch so?

Der Online-Handel hat hier extrem nachgelegt und damit einiges nivelliert. Für die Kunden ist vieles bequemer geworden. Moderne IT-Lösungen und Webshops machen es in der Tat sehr einfach.  Auch die gesamte Logistik hat sich in den letzten Jahren komplett neu aufgestellt. Eine Reklamation oder Retourenabwicklung ist im Internet heute kein wirkliches Problem mehr, obwohl ich glaube, dass wenn ich was retour geben will, dies lieber in einem Geschäft abwickeln will, als alles zu verpacken und auf die Post zu bringen.  Andererseits muss ich bei einer Rückgabe über das Internet keine unangenehmen Fragen beantworten und bin vor allem anonym.

Wo haben Online- und Multichannel-Handel die Nase vorn im Vergleich zum Einzelhandel?

Definitiv in puncto Vielfalt und Preis. Kein Händler kann sich alles auf Lager legen, wie es zum Beispiel bei Amazon angeboten wird. Allerdings sind nicht nur die Auswahl, sondern auch die Warenverfügbarkeit und Lieferzeit oftmals im Internet besser und schneller, als wenn der Kunde im Geschäft einen nicht lagernden Artikel bestellen muss. Hier muss der Einzelhandel einfach zulegen und seine Bestell- und Lieferprozesse optimieren.

Kann der Einzelhandel da überhaupt noch bestehen? Auf was muss er sich konzentrieren?

Er muss vor allem zwei Dinge besser machen: Der Preis muss halbwegs vergleichbar zum Internetgeschäft  sein und er braucht ein wesentlich breiteres und tieferes Sortiment, damit es eine höhere Warenverfügbarkeit besonders bei Saisonware und Aktionen gibt. Und wenn ein Artikel nicht auf Lager ist, einen optimierten und schnellen Bestell- und Lieferprozess.

Natürlich ist klar: Der stationäre Handel hat wesentlich höhere Kosten für Personal, Lagerung und Einkauf und muss vielleicht noch höhere Abgaben und Steuern zahlen als große Internethändler, die es sich steuerlich etwas richten können. Da sind auch die Politik und die gesamte EU stark gefordert! Auch darf man die Restposten und die Abwertung von Saisonprodukten nicht vergessen. Der Internethandel hat natürlich gegenüber dem stationären Handel ein wesentliches, um nicht zu sagen: riesiges „Einzugsgebiet“. Hier kostendeckend zu arbeiten, ist mehr als schwer. Trotzdem punkten kann der stationäre Handel  mit Kundenservice und  mit Geschäften, wo der Kunde sich  wohl fühlt und das Einkaufen als Erlebnis sieht. Da  ist sicher noch genug Potenzial vorhanden und auch Luft nach oben. Wichtig ist, dass man den Anschluss nicht verpasst. Shoppen zu gehen muss wieder attraktiv werden und Freude machen!

Wie kann eine Cloud-Lösung da helfen?

Grundsätzlich durch eine durchgängige Warenwirtschaft von der Lieferantenbestellung bis zum POS, durch die Vernetzung von CRM, Warenwirtschaft, Webshop und POS  entsteht ein System ohne Brüche. Hier ist es ganz wichtig, ein einheitliches, geschlossenes ERP-System aus einer Hand zu haben, um wirklich flexibel auf die inzwischen sehr komplexen Anforderungen reagieren zu können. Und wenn es noch um Warenverteilung zwischen Filialen und Lagern geht, ist ein zentral aufgesetztes Warenwirtschaftssystem die absolut bessere Alternative.  Cloud-Lösungen ermöglichen auch kleineren Händlern den Zugang zu solchen Systemen, die vorher nur großen Anbietern finanziell möglich waren.  godesys bietet hier eine Cloud-Lösung mit von uns ausgewählten Systempartnern in entsprechend großen Rechenzentren an.

Damit bieten wir riesige Manpower, Datenspeicher und Skalierbarkeit, die sich bis jetzt nur große Handelsketten mit einer riesigen IT-Mannschaft leisten konnten!

Ist die Cloud also eine Retail-Lösung für Startups?

Nicht nur, aber auch. Aber gerade kleinere Unternehmen profitieren immens davon. Gerade durch die geringen Anschaffungskosten und die überschaubaren Betriebskosten ist die Cloud-Lösung spannend. Und ich brauche keine eigenen Server und IT-Spezialisten, die mir die täglichen operativen Tätigkeiten erledigen müssen, damit der Betrieb auch wirklich gesichert ist.

Können Sie uns ein praktisches Beispiel geben, wie ein Einzelhändler von godesys Retail aus der Cloud profitieren kann?

Geringe Investitionskosten. Er muss sich nur um die lokale Hardware und das Netzwerk kümmern, wie zum Beispiel PCs und Kassen – den Rest machen wir. Natürlich unterstützen wir ihn auch bei der Hardware-Auswahl beziehungsweise vermitteln ihn an unsere Partnerfirmen, die hier passende Hardware zu einem günstigen Preis anbieten können.

Unsere Lösung wurde für den filialisierten Handel entwickelt. Man wird daher fast keine Geschäftsprozesse finden, die Sie mit der Lösung nicht abdecken können. Kundenkarten, Bonuspunkte, Aktionen, Saisonware, Gutscheine, automatisierter Bestellvorschlag, Kundensonderbestellungen, Filialumlagerungen, Zustellung und vieles, vieles mehr.

Immer vielfältiger wird auch die elektronische Anbindung und Integration von Teilekatalogen. Man muss endlich wegkommen, dass die Mitarbeiter in der Zentrale sich mit der Stammdatenpflege zeitraubend beschäftigen und dröge Stammdatenanlagen wie  Artikeldaten, Preise und Konditionen im System einpflegen. Dass muss doch elektronisch möglich sein – digital!

Hier stellen inzwischen viele Lieferanten in unterschiedlichen Branchen und auch die Industrie auch Ihre Daten in elektronischen Formaten und Kataloge oder sogar auf  Plattformen zur Verfügung.

Ich kenne das Geschäft im Einzelhandel wirklich mit allen Facetten. Ich war jahrelang bei einer großen Baumarktkette für den Warenwirtschaftsbereich verantwortlich. Es entwickeln sich die Prozesse laufend weiter und die Softwarelösungen müssen einfach flexibel und modern genug sein, um diesen Anforderungen auch Stand zu halten und das Unternehmen zu unterstützen, zu automatisieren und das Arbeiten zu vereinfachen!

Jetzt mal eine Gretchenfrage. Im täglichen Betrieb fallen jede Menge Daten an: Kundendaten, Transaktionsdaten, Kontendaten, interne Betriebsdaten. Wenn das alles in der Cloud-Lösung herumgeistert – ist das denn auch sicher?

Ich würde anders sagen: Wo sind die Daten heute sicherer – in einem Rechenzentrum, in dem sich Spezialisten nur mit den Themen Datensicherung, Firewall, Zugriffsrechte etc. beschäftigen oder auf einem nicht gespiegelten Server, der vielleicht irgendwo im hinteren Eck in einem Büro steht und wo vielleicht einmal wöchentlich eine Bandsicherung erstellt wird?

Der Handel hat, glaube ich, genug zu tun und kann sich nicht noch um die IT-Security kümmern. Dafür gibt es Spezialisten. Natürlich, große Firmen werden sich solche gut bezahlten Fachkräfte schon leisten, aber ich denke im KMU-Bereich wird das eher nicht der Fall sein. Hier sollte man auf seinen ERP-Partner vertrauen und ich bin mir hunderprozentig sicher: wir haben hier auch die richtigen Spezialisten und Partner im Bereich Systembetrieb, Security und Datensicherung.

Gehen wir einmal vom Idealfall aus: Ein Kunde von godesys startet mit seinem Unternehmen durch und ist – dank der godesys Retail aus der Cloud Lösung erfolgreich. Wie sieht es mit der Skalierbarkeit aus? Kann godesys Retail aus der Cloud mit dem Unternehmenserfolg mitwachsen?

Ja natürlich kann es das! Das ist ja das Tolle. Wir haben hier auch ein, denke ich, wirklich interessanten Lizenzpaket, bei dem man bereits mit 2 bis 3 Usern starten kann.  Nach oben gibt es keine Grenzen. Das ist ja unser Vorteil. godesys Retail wurde für große Handelsunternehmen entwickelt. Unsere Lösung ist deshalb skalierbar und hat wirklich einfache, grafische Tools, mit denen man Funktionen, Masken und Reports und vor allem die Eingabemasken an die Anforderungen jedes einzelnen Kunden anpassen kann.

Das Programm ist zwar komplex und kann vieles, aber der Benutzer braucht eine einfache und intuitive Oberfläche. Handel ist Wandel – leider oft auch bei den Mitarbeitern. Lange Einschulungszeiten für eine Kassen- oder Warenwirtschaftsfunktion geht grundsätzlich gar nicht!

Kommen wir noch einmal zur Anfangsfrage zurück: Warum ist die Cloud-Lösung die Zukunft des Retails? Sagen Sie uns bitte Ihre Meinung dazu!

Die Cloud-Lösung wird wahrscheinlich in ein paar Jahren für alle die Zukunft sein, nicht nur für den Handel. Aber gerade der filialisierte Handel bietet sich an! Mehrere Standorte, die miteinander kommunizieren, wo Ware verteilt wird, im Bereich Multichannel ein integrierter Webshop, Kassen die lokal installiert werden und ganz wichtig:  Oberste Ziel im Einzelhandel zu bestehen ist wie eingangs gesagt der Multi- oder Omnichannel-Ansatz.  Omnichannel bedeutet für den Kunden „kanalübergreifend“ zu bestellen, die Ware abzuholen und zu bezahlen wo er will. Hier kommt immer mehr das Thema Click-and-collect in den Vordergrund.

3 Beispiele:

  1. Kunde bestellt die Ware im Internet, holt diese im Geschäft ab und zahlt per Rechnung.
  2. Kunde möchte Ware in der Filiale kaufen und holt sie direkt beim Lieferanten oder in einer anderen Filiale ab, weil dort lagernd.
  3. Kunde bestellt und bezahlt die Ware im Internet,  Ware wird vom Zentrallager ausgeliefert. Danach bringt der Kunde die Ware retour in eine Filiale und möchte dort auch sein Geld zurückhaben.  


Stellen wir uns vor, ein Kunde erfährt zum ersten Mal von Retail-Lösungen aus der Cloud. Welche (fünf) Tipps würden Sie ihm auf den Weg geben, um ihm den Entscheidungsprozess zu vereinfachen?

  1. Er muss prüfen, ob er nur die Ware in der Filiale oder auch über das Internet verkaufen möchte. Ob er filialübergreifend disponieren und Ware verteilen möchte. Ob zum Beispiel Click-and-collect möglich sein soll.
  2. Er muss sich über seine Kernprozesse Gedanken machen und wie er zu   Wettbewerbsvorteilen kommt. Marketingmaßnahmen wie Kundenkarte, Gutscheine, Aktionen, Multipack, Set-Artikel können da schon sehr helfen – wenn die benötigt werden, muss das ERP System das aber auch können
  3. Ob es ein Betrieb mit mehreren Standorten und vielleicht auch mit einem Zentrallager ist. In diesem Fall muss die Lösung neben einer Mandanten- und Lagerstruktur auch eine Filialstruktur integriert haben.
  4. Vor allem die Kasse muss intuitiv, ausfallsicher, einfach und performant im Verkaufsvorgang sein. Gibt es ein Basissortiment oder wird auch auf Sonderbestellung gekauft. Die Kasse und die Schnittstelle in die Warenwirtschaft ist ein ganz wesentliches Kriterium und muss integrativ und einheitlich sein. Der Preis an der Kasse muss der gleiche wie in einem Kundenauftrag oder am Preisetikett sein!
  5. Wie er seine Warenverfügbarkeit maximieren kann, ohne dass die Lagerkosten explodieren. Auch hier muss geprüft, ob das ausgewählte Warenwirtschafts-system dies auch unterstützt.

Und noch einen sechsten Punkt möchte ich obendrein geben:

Nur mit moderner Technologie wird er die nächsten zehn bis 15 Jahre ein System im Einsatz haben, mit welchen er die wandelnden und schwierigen Anforderungen im Handel auch bestehen kann. Er soll sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren. godesys Retail in der Cloud macht das Restliche.

Herr Siedler, vielen Dank für Ihre Zeit. Das waren sehr spannende Auslegungen zum Thema Retail aus der Cloud. Ich denke, Sie haben sehr deutlich gemacht, welche Vorteile die Cloud-Lösung für den Handel, vor allem den filialisierten, mit sich bringt.

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