Digital Normal
Godelef Kühl Einsichten #digitalnormal, Digitale Transformation, ERP der Zukunft

#digitalnormal - mein Erfahrungsbericht Teil I

Ich gestehe: Die Idee zu #digitalnormal kommt nicht von mir. Diese hatte Frau Zwingmann von unserer PR-Agentur Lewis während eines Arbeitsmeetings im vergangenen Jahr. Spontan entstanden, weil ich im Gespräch einige Innenansichten und Erlebnisse aus meinen täglichen Digitalisierungskämpfen mit ihr geteilt habe. 

Das Konzept dahinter fand ich aber gleich bestechend. Unternehmer, Entscheider aber auch Anwender berichten über ihre Erfahrungen und den aktuellen Sachstand in Sachen Digitalisierung. Und zwar offen, ohne Marketing-Sprech und Buzz, sondern so, wie wir alle als Individuen täglich den Umgang mit Digitalisierung spüren. 

Mich hat das gleich überzeugt, weil ich mit diesem Konzept deutlich mehr anfangen kann, als mit den üblichen Anwenderberichten und Lobhudeleien, die wir in dieser Branche ansonsten ausstoßen. 

Weil ich meine besten Entscheidungen im Wissen um die Erfahrungen anderer fälle. 

Und weil ich mir lieber mein eigenes Urteil bilde, anstatt einfach Ratschlägen und Tipps anderer zu folgen.

Mein diesbezügliches Erweckungserlebnis teile ich gerne mit Ihnen: In 2012 und damit für meine berufliche Laufbahn viel zu spät, bin ich Mitglied von EO - der Entrepreneurs Organisation - geworden, einem Verein, in dem sich weltweit mehr als 12.000 Unternehmer aus den unterschiedlichsten Branchen und Ländern treffen. 

Auf Empfehlung eines Kunden - womit also schon bewiesen wäre, das Lernen immer auch die andere Richtung nehmen kann. Heute weiß ich dank EO relativ genau, wie in anderen Teilen der Welt über ERP und Digitalisierung gedacht wird und welche Geschäftsmodelle in der IT-Branche gerade en vogue sind. 

Zu verdanken habe ich das ein paar richtig guten Grundprinzipien, die bei EO gelten. Wenn ich ein anderes Mitglied, aus welchem Winkel dieses Globus er auch kommen mag, etwas frage, wird er mir ehrlich antworten, weil er darauf vertrauen kann, dass ich ihm nichts verkaufen möchte und dass Vertraulichkeit gewährleistet ist. 

Kein Mitglied darf sich oder seine Leistungen einem anderen Mitglied anbieten, der Weg funktioniert nur anders herum. Und wir tauschen Erfahrungen aus, niemals Ratschläge. Wenn also einer ein Problem schildert, hören wir gut zu, fragen uns, ob wir eine vergleichbare Situation schon mal erlebt haben und schildern dann unsere Erfahrungen. Mehr nicht. 

So lernen wir in unserem Elfenbeinturm der Unternehmer-Entscheidungen, der manchmal auch einsam macht, das unsere Erfahrungen und Probleme eben nicht singulär sind, sondern dass vergleichbare Situationen zigfach auch von anderen Unternehmern bewältigt werden müssen. Die Erfahrungen daraus werden nur viel zu selten offen und ehrlich geteilt.

Wenn #digitalnormal etwas von diesen einfachen, ehrlichen Grundsätzen aufnehmen kann - dann erreichen wir das, was mir das Wichtigste ist. Wir liefern Denkanstöße, die zu individuellen Urteilen und Erkenntnissen führen. 

Denn die Welt des deutschen Mittelstands ist viel bunter und chancenreicher, als sie ein Einzelner sehen und beschreiben kann. Digitalisierung ist eine Reise, der man schlecht ausweichen kann. Tempo und Ziel können wir aber sehr wohl bestimmen. 

Und nun geht es also um meine Reiseerfahrungen. Das ist gar nicht so leicht. Weil es nicht so sehr um Technologie und neue Wege geht, sondern um meine Innenansicht der Digitalisierung, die vor allem mit Menschen zu tun hat. Und ist es nicht auch Ironie, das ich als Softwareunternehmer, der seit fünfundzwanzig Jahren ein Softwareunternehmen leitet, über meine Schwierigkeiten und Probleme im Umgang mit Digitalisierung Rechenschaft ablegen soll?

Wo fange ich denn da an? Die Einführung der E-Mail bei godesys in 1993? War doch eindeutig ein Schritt zum digitalen Unternehmen. Weiß zwar keiner mehr, aber damals waren wir damit verdammt früh. Digitalisierung betreibe ich im eigenen Haus also schon aus Grundüberzeugung. 

Früher war ich immer überzeugt, dass man als IT-Unternehmer digitale Möglichkeiten progressiver nutzt, als seine Kunden. Heute bedienen wir auch Branchen wie z.B. den Versandhandel, die uns in bestimmten Aspekten wie Datenanalyse manchmal weit voraus sind. Heute haben wir vermehrt eine Generation an Entscheidern, die zu bestimmten Tools oder Techniken detaillierte Überzeugungen mitbringen. 

Beruhigend ist da für mich nur die Tatsache, dass uns unser betriebswirtschaftliches Wissen und die Fähigkeit, Prozesse digital zu organisieren unterscheiden. Von unseren - wie ich sie nenne - digitalen Leadern unter den Kunden, kann man vor allem eine Tatsache lernen: Egal wie gut oder schlecht Du bist - um Dich zu verbessern, musst Du die Dinge messen, analysieren und dann erneut verändern. 

Messen und Testen sind die wesentlichen Fähigkeiten digitaler Entscheider, und der Erfolg kommt auch da nur, wo jemand seinen Weg konsequent geht und Erfahrungen aufbaut.

Allerdings ist die Generation der Digital Natives diesbezüglich enorm schnell. Weil sie verstanden hat, dass Digitalisierung aus Lernen und Ausprobieren besteht, werden Entscheidungen einfach immer schneller getroffen. 

Damit kann man in vielen Dingen schnell erfolgreich sein, bei komplexen ERP-Entscheidungen schüttele ich aber häufig auch den Kopf, mit wieviel Naivität die Sache angegangen wird. Unklare Prozesse werden auch durch das beste ERP nicht schöner und auch das Wissen darum, dass Veränderungsprozesse nur greifen, wenn man sie den Betreffenden vermittelt, könnte ausgeprägter sein. 

Soweit ist also alles beim Alten. Die neuen Ideen tun gut, echte Management-Erfahrung behält aber auch ihren Wert. Und -ja - auch ich vermisse manchmal die Komfortzone, in der man in Ruhe die Früchte des Erfolgs genießen konnte. Andererseits bietet mir die Digitalisierung aber auch die Möglichkeiten vieles auszuprobieren. Das wiederum kommt mir als Unternehmer entgegen. 

Über den falschen Umgang der Öffentlichkeit mit Digitalisierung habe ich ja meine Meinung bereits kundgetan. Haben wir wirklich so lange gebraucht, um zu merken, welche Veränderungskraft in digitalen Prozessen liegt? 

Wenn ich ein wenig in meinem Gedächtnis krame, kommen mir schon die relevanten Erinnerungen. Das Ausliefern eines 80386 an ein Ingenieurbüro 1988. Ich war damals noch Azubi zum DV-Kaufmann. Und konnte mich eigenständig davon überzeugen, dass das Berechnungsprogramm statt in einer Woche binnen 8 Stunden Ergebnisse ausspuckte. Messbarer Fortschritt. Und bei mir war das Vertriebsgen geweckt. 

Denn dem Chef vom Ingenieurbüro konnte ich daraufhin leicht vermitteln, dass der Umstieg vom Zeichenbrett auf CAD seinen Laden revolutionieren würde. Die Einführung von CAD und DTP-Programmen hat vielen Branchen bereits Ende der 80er Jahre Umbrüche verschafft, die von vielen als singuläre Ereignisse des Internet-Zeitalters betrachtet werden.

Alles Quatsch. Wirtschaft und Darwinismus haben schon immer gut zusammengepasst. Heute werden nur so viele gefressen, dass es selbst den tumbesten Beobachtern auffällt.

Und auch die eigene Selbstständigkeit hat ihren Ursprung in der Digitalisierung. Als ich mich Anfang der 90er Jahre in das Abenteuer Existenzgründung stürzte, war das erste Alleinstellungsmerkmal gegenüber den zahlreichen PC-Verkäufern die Vernetzung. 

Nicht Internet, sondern schlicht LAN`s. Das war mal das Ding. Bald darauf kam die erste SQL-Datenbank für den PC und der große, teure Host wurde abgekündigt. Damit haben wir den Einstieg in die Softwareentwicklung gefunden und dachten, was sind wir innovativ!

Heute habe ich Déjà-vu Erlebnisse, wenn ich Software Startups mit sensationeller Webtechnik sehe, denen es aber leider an allen Funktionen für den sinnvollen Einsatz mangelt. Statt Web hatten wir damals die ersten Windows-Anwendungen, der Rest ist identisch. Insofern nehme ich auch in Anspruch, mit einer gewissen Erfahrung über Digitalisierung sprechen zu können. 

Dabei ist mein aktuelles Leben diesbezüglich voller Widersprüche. 25 Jahre Arbeit in der IT-Branche, aber keinen Instagram-Account. Eine nur aus der Notwendigkeit gewachsene Facebook-Existenz und soziale Profile, die vielleicht beruflich, aber nach meiner Definition eben nicht sozial sind. 

Ich bin bereits so antiquiert, dass ich in meiner partiellen digitalen Verweigerung eine Bereicherung meines persönlichen Lebens sehe. Warnen die Berater nicht davor? Wer sich Neuerungen verschließt, verpasst die Zeit.

Aber welche Vorteile brächte es mir oder meinem Unternehmen, wenn ich mich an den digitalen Streams der Eitelkeiten und Belanglosigkeiten beteiligen würde? Kauft jemand unser ERP, wenn ich mein Mittagessen auf Instagram poste? Braucht godesys einen Firmenhund, den wir auf Facebook zum Storytelling einsetzen?

Diesbezüglich sind mir meine Urteile immer schon leicht gefallen: Was ist das Ziel? Sehe ich eine Chance, dass ich dem Ziel so näher komme? Wie hoch ist das Risiko, was kostet ein Versuch? Bei den digitalen Reiseerfahrungen ist es für mich wie im analogen Leben.

GEO oder National Geografic sind schöne Hefte, liefern mir auch Inspiration, aber sie ersetzen nicht meine persönlichen Reise-Erfahrungen. So ist das auch in der digitalen Welt. Mit Social Media experimentieren wir noch, aber dass Content Marketing wirkt, kann ich bereits bestätigen. 

Warum auch sollte etwas digital nicht funktionieren, wenn es doch analog funktioniert. ERP-Entscheidungen fallen schwer, das Thema ist komplex. ERP-Kosten sind hoch, der Nutzen aber auch. Und je besser wir dem Interessenten oder Kunden vorher darlegen können, was wir wie machen, desto leichter fällt ihm eine Entscheidung. 

Schauen Sie mal auf unsere Webinare - das haben wir vor einem Jahr begonnen. Heute bekommen wir dafür Lob und Anerkennung. Und der Vertrieb hat es sogar einfacher. Bei Themen, die ein Kollege nicht so gut beherrscht, kann er nun einfach auf eine Aufzeichnung verweisen und den Interessenten optimal unterstützen. Auch das ist Digitalisierung. 

Digitalisierung von Marketing und Vertrieb, aber dazu mehr demnächst.

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