godesys Blog Autonomes Fahren - Die deutsche Automobilindustrie wird vernichtet
Mathias Schwaben Einsichten Digitalisierung, Autonomes Fahren

„Die deutsche Automobilindustrie wird vernichtet“ – Wirklich?

Einige 100.000 Jahre passiert recht wenig. Wir sind genügsam mit unseren Keulen und den Wurzeln - und plötzlich geht es los.

Spätestens ab der Industrialisierung rast der Fortschritt voran, ganz massiv beschleunigt zuerst durch das Internet und nun durch die Durchdringung aller Lebensbereiche mit der Digitalisierung.

Gerade erst vermittelte ein Artikel in der „Zeit“ das Gefühl, das ewige Leben sei laut der Wissenschaft gar nicht mehr fern. Ob das nun erstrebenswert ist oder nicht, soll an dieser Stelle nicht interessieren. Fakt ist aber: Die Digitalisierung ist bereits Realität und sie wird unser Leben innerhalb der nächsten zehn bis 20 Jahre in einem Maße verändern, wie es sich die meisten heute kaum vorstellen können.

Das autonome Fahren ist vielleicht das beste Beispiel für die Deutschen. Wir haben das Auto erfunden. Es ist unsere Königsklasse. Wir bauen die besten PKWs der Welt, Ingenieurskunst auf dem höchsten Niveau. Was passiert nun? Bald ersetzt eine klobige Plastikbox, gesteuert von einem Computerchip drei Tonnen top-designtes Stahl und einen Motor, dessen Leistung und insbesondere auch der Sound jahrelang entwickelt wurden? Ja, das könnte gut sein. Was sagen vor allem Männer dazu, die ihr Auto lieben? Die sagen „Ach, das dauert ja noch, das erlebe ich gar nicht mehr“. Ausgeschlossen.

Das autonome Fahren mag in Deutschland später kommen als in Japan, wo das Fahren in den vollgestopften Großstädten eh mehr Last als Freude ist. Oder in Norwegen, wo keiner Autos baut und das Interesse an einem guten Stück Walfleisch größer ist. Aber es kommt und das schneller als gedacht. Wer hätte damals gedacht, wird man dann sagen, dass der oft belächelte Nürburgring am Ende doch eine lukrative Investition war, bei dem nun die Männer Schlange stehen, weil sie es sich für horrende Summen einmal im Monat gönnen, mit einen stinkenden Benzinmotor so laut wie möglich ein paar Runden über den Asphalt zu brettern. 

Erst einmal werden menschlich und autonom gesteuerte Fahrzeuge sich die Straße teilen. Und jeder Unfall macht klar: Fast ausnahmslos trifft den menschlichen Verkehrsteilnehmer die Schuld. Keine Partei wird sich anfangs trauen, die Absicht zu verkünden, bald jeden Fahrer zu entmündigen, so wie sich niemand an die Geschwindigkeitsbegrenzung wagt, aber irgendwann ist es unausweichlich. Und wer will dann noch das eigene, besonders starke oder schöne Auto? Aber man muss ja mobil bleiben. Nun aber stellt sich heraus, dass theoretisch alles fantastisch und staufrei laufen würde, hätte nicht halt doch immer noch der Mensch die Finger im Spiel.

Immer wieder bleiben die neuen „Personenbeförderungskapseln“ liegen, weil sie nicht aufgeladen wurden oder weil sich die Leute nicht mehr so gut um ihr „Ding“ kümmern, als es nicht nur Gefährt, sondern geliebter Gefährte war – Auto wollen sie es nicht mehr nennen. Ein zentrales „Hirn“ muss her, das weiß, welche Kapsel für welche Reichweite gerade gewappnet ist. Wer dieses stellt und wer sich am Kuchen beteiligen darf, wird dann wohl ausgeschrieben.

Und irgendwo ruft dann ein Mann per App eine Kapsel für die Fahrt zur Arbeit, geht vor die Tür und schon ist sie da. Er sitzt nun da, trinkt Kaffee, schaut sich auf einem Monitor die Nachrichten an oder schläft nochmal ´ne Runde und denkt anfangs noch ab und an, dass das doch alles eine angenehme Sache ist. Bald denkt er das nicht mehr, dann ist das alles ganz normal. Das äußere Design einer Kapsel interessiert niemanden mehr. Es kommt auf den Innenraum an. Wir steigen in die Kapsel und die weiß, wer wir sind. Der „Geist“ unseres Smartphones übernimmt während unserer Fahrt die Kapsel und entweicht ihr wieder, wenn wir aussteigen. Solange wir drin sind, nimmt die Kapsel unsere digitale Identität an. Sie weiß was wir gern hören, welche Nachrichten uns interessieren und dass wir vor der Arbeit meist nochmal beim Bäcker ein paar Teilchen holen. Trotz Teilchen wird man aber beim Anschnallen nicht denken „Oh, der Gurt wird aber auch immer enger“, es gibt keine Unfälle mehr und daher keinen Gurt.

Und so gilt auch hier: Die Digitalisierung kann unser Leben bequemer machen; am Ende mehr als ein 6-Zylinder Turbo. Wir werden die Vorteile nicht mehr missen wollen. Oder vermissen Sie die Pferdekutsche? Oder stört es Sie, dass Sie das Flugzeug in den Sommerurlaub nicht selbst fliegen dürfen? Das fliegt ja im Übrigen schon lange kein Mensch mehr.

Die deutsche Automobilindustrie wird vernichtet“, sagte der Publizist und Philosoph Richard David Precht kürzlich in einem Interview im Deutschlandfunk. Autoindustrie futsch, zehntausende Arbeitsplätze einfach weg? Wenn nun Daimler, BMW, Audi und Co einfach der Dinge harren würden, die da kommen, dann könnte das womöglich passieren. Das machen sie aber nicht. Und auch google werden sie nicht das Feld überlassen. Man bekommt oft nur die Spitze des Eisbergs mit wie den gemeinsamen Kauf des Kartenanbieters „here“.

Aber seien Sie sicher: Die Automobilindustrie stellt sich bereits intensiv auf die geschilderte Zukunft ein. Der Schwerpunkt wird sich verändern, aber immer die Digitalisierung für neue Chancen nutzend. Die Steuerung des Systems, die Koordination über Ländergrenzen hinaus, die Weiterentwicklung in Sachen Radar, Infrarot etc. für immer größere Messgenauigkeit und auch der Antrieb wird natürlich weiter entwickelt, denn im Zusammenspiel mit der Steuerung werden immer höhere Geschwindigkeiten möglich, während der Energieverbrauch sinkt. Und natürlich gewinnt auch der Aspekt von Umwelt- und Naturschutz weiter an Bedeutung. Es wird viele neue Ideen geben und die meisten davon werden im Dienstleistungssektor zu finden sein.

Und dann wird eine Phase kommen, da wird die Anzahl der Personenbeförderungskapseln wieder rapide abnehmen, denn immer mehr Menschen arbeiten nicht mehr in einem Büro, sondern zu Hause, sie arbeiten nicht mehr für einen Arbeitgeber, sondern geben ihre Leistung zur gesamten digitalen Welt dazu und noch ein paar Jahre später, belächeln wir das Gehetze alter Zeiten, die ständigen Forderungen in den Konzernen nach Wachstum und „double digit growth“ und bedauern die Menschen, die früher einmal an fünf von sieben Tagen gearbeitet haben mit ihren Keulen – oder vermischen wir hier nun Erinnerungen?

Man tut gut daran, über solche Visionen nachzudenken und insbesondere als Unternehmer zu überlegen, welchen Platz man einnimmt, welche Chancen genutzt werden müssen und welche Basis dafür vorhanden sein muss.

Bereit für die Digitalisierung?

 

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