Galileo Lebensmittel GmbH & Co. KG

Fallbeispiel Galileo Lebensmittel

Heißgeliebte Tiefkühlkost

Galileo steuert seine Produktion von Mini-Pizza, Bruschetta und Happy Wrappy über godesys. Und nutzt die ERP-Software als Backbone zwischen Käse, Schinken und Tomatenmark um gleich auch noch die Warenwirtschaft zu optimieren

godesys - Referenz Galileo Lebensmittel

Nicht mehr drei Mahlzeiten am Tag, sondern häufiger mal ein Snack zwischendurch - unsere Eßgewohnheiten haben sich geändert. Dieser Entwicklung tragen schon seit mehreren Jahren die Snacking- und Convenience-Produkte des Tiefkühlherstellers Galileo GmbH & Co. KG aus Trierweiler Rechnung. Über 100 Millionen Mini-Pizzen, Wraps & Co. laufen dort pro Jahr vom Band direkt in die Tiefkühlhäuser und LKWs und warten auf ihre zahlreichen Abnehmer. Die finden sich unter den Discountern und im Lebensmittel-Einzelhandel, aber auch unter den Zulieferern von Gastronomie- und Cateringbetrieben. Vertrieben werden die Leckereien in ganz Europa: fast stündlich fahren die Trucks mit Sattelaufleger in Trierweiler vor, um die Ware in die Zentralläger der Kunden zu bringen oder bei Speditionen zwischen zu lagern. Das kann nur dann reibungslos funktionieren, wenn die gesamte Auftrags-, Produktions- und Lieferlogistik über einen warenwirtschaftlichen Backbone gesteuert wird, der alles im Griff und unter Kontrolle hat. Die Rede ist vom ERP für kundenorientierte Unternehmen des Mainzer Anbieters godesys AG.

9 Produktgruppen mit bis zu 12 Varianten

9 verschiedene Produktgruppen in bis zu 12 verschiedenen Varianten produziert Galileo derzeit, hinzu kommen Produkte, die spezifisch pro Abnehmer oder pro Projekt in Auftrag gegeben werden. Der Renner sind nach wie vor die Mini Pizzen, aber auch die elsässischen Flammkuchen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. An Rohware Food befinden sich ca. 200 Daten im Artikelstamm, bei der Rohware Verpackung sind es doppelt so viele. Tägliche Rohwarenlieferungen an Schinken, Salami, Käse & Co. von insgesamt bis zu 200 verschiedenen Lieferanten sorgen dafür, dass der Nachschub niemals abreißt. Um die zügige Weiterverarbeitung aller Lebensmittel kümmern sich rund 100 Mitarbeiter, die im Schichtbetrieb rund um die Uhr an der ca. 100 m langen Produktionsstrasse Pizzen und Wraps belegen und verpacken. Dass hier alle Prozesse verzahnt ineinander greifen müssen, versteht sich von selbst.

Seit fast 10 Jahren schwören die Trierweiler auf die godesys ERP Software als ihren warenwirtschaftlichen Backbone, wobei sich die Anwendung kontinuierlich erweitert hat. Heute wird der gesamte Produktionsablauf nahtlos mit der Software der Mainzer gesteuert: vom Wareneingang über die Produktionsplanung, die Chargenverwaltung und -rückverfolgung, Lagerbestände und -verfolgung durch die Produktion bis zum Warenausgang inklusive Finanzbuchhaltung, aller dazugehörigen Auswertungen inklusive Inventur bis hin zum elektronischen Datenaustausch mit den Geschäftspartnern. Rund 30 aktive User sorgen dafür, dass dem System keine noch so kleine Information entgeht.

Doppelte Chargenführung hält besser

Der Produktionsprozess beginnt damit, dass der Produktionsleiter für eine zu produzierende Charge - 500 Paletten Mini-Pizzen - die Rezepte erhält. Die werden in die ERP Software eingepflegt und als Stückliste hinterlegt. Im nächsten Schritt wird automatisch ermittelt, welche Rohware für die anstehende Produktion benötigt wird; dabei legt das System eine Chargen-Nummer an und achtet zudem darauf, dass die Chargen in der richtigen Reihenfolge abgearbeitet werden. Fertig produzierte Ware erhält einen Umlagerungsschein, fehlende Rohware wird vom Einkauf bestellt. Diese wird bei Anlieferung wiederum mit einer Chargen-Nummer versehen und zusätzlich mit einer internen Nummer ins System eingebucht: doppelte Chargenführung hält besser.

Überproduktion für die Ü-Kisten

Die angelieferte Ware wird zusammen mit einem von der Software erstellten Rohwarenerkennungsschein in die Qualitätssicherung verbracht. Ist die Rohware für gut befunden, wird sie im System freigegeben und ins Standardlager gebucht, bis sie nur wenige Tage später der Produktion zugeführt wird. „Für jeden Kunden sind eigene Stücklisten angelegt, an denen sich die Produktion zu 100% ausrichtet - komplett mit Rohware, Falt- und Umkartons“, so Jörg Ludwig, Fachbetreuer Logistik und EDV bei Galileo: „Die einzelnen Komponenten werden dann wieder mit Chargen-Nummer und Gewicht auf den Umlagerungsschein gebucht, danach geht es in die Produktion. Ist diese abgeschlossen, erhalten wir automatisch eine Meldung über Mehr- oder Minderproduktionen.“ Man könne einem Auftrag bei laufender Produktion auch Ware entziehen, stelle man fest, dass die Kalkulation zu großzügig gewesen sei, so Ludwig. Darüber hinaus sei jede Ware mit einem gewissen Schwundfaktor kalkuliert, weil Warengewichte sich verändern können und auch, weil ab und zu mal etwas vom Band rutsche. „Haben wir eine Überproduktion, wird diese foliert und den hauseigenen so genannten Ü-Kisten für den Direktverkauf zugeführt oder aber - sofern das Mindesthaltbarkeitsdatum dies zulässt - der nächsten Produktion zugefügt.“ An den Produktionsprozess schließe sich unmittelbar der Verpackungsprozess an. Bei der Pizza beispielsweise bedeute dies: Schlauchbeutel, Faltschachtel, Umkarton, Palette, Folie und Einlagerung ins Tiefkühlhaus.

Alles EDI-gesteuert

„Fast unser gesamtes Auftrags- und Rechnungswesen läuft über EDI“, so Annette Werner-Dehen, Kaufmännische Leiterin und Prokuristin des Unternehmens nicht ohne Stolz: „Die Aufträge kommen per EDI rein, ein Konverter bildet alle Bestellinhalte mit den dazugehörigen Terminen in der godesys-Software ab. Diese Daten steuern die Produktion, Warenabrufe und Liefertermine“. Ist die Ware fertig produziert, werden die LKWs bestellt, das System übergibt den Lieferschein ans Tiefkühlhaus, wo der Transport gemäß Lieferschein zusammengestellt wird. „Dann wird automatisch unsere Buchhaltung informiert, dass eine Rechnung geschrieben werden kann“. Über 70.000 Rechnungen und Lieferscheine werden auf diese Weise pro Jahr generiert. Darüber hinaus bestehe zusätzlich eine Verbindung zwischen Lagerabbuchungen und Bestellwesen: „Schließlich wollen wir ja keine bösen Überraschungen erleben“, so Werner-Dehen weiter.

Intelligente Steuerung von Mindestbestandsmengen

Aber selbst wenn man im Laufe einer mehrere Tage dauernden Chargenproduktion feststelle, dass benötigte Rohware ausgegangen sei, könne man schnell Abhilfe schaffen: „Das System erkennt sofort, wenn beispielsweise anstatt der benötigten 1000 kg Salami nur 500 an Lager sind. Es wird umgehend eine Nachricht abgesetzt, die der Einkauf sieht, darauf hin sofort reagiert und eine Bestellung auslöst.“, so Ludwig. Sie könnten in der Software auch festlegen, dass automatisch Bestellungen erfolgen, sollte eine bestimmte Ware am Lager eine Mindestbestandsmenge unterschritten habe. Allerdings mache das in ihrem Fall nicht immer Sinn, denn: „Wenn kein Schmand mehr an Lager ist, wir aber genau wissen, dass wir es in den nächsten zwei Wochen auch nicht benötigen, ist eine sofortige Nachbestellung nicht erforderlich“. Außerdem komme es auch immer auf das Mindesthaltbarkeitsdatum an, man achte stets darauf, dass nicht zu viel Ware einlagert sei.

Dabei haben die Tiefkühlhäuser in Trierweiler eine durchaus beachtliche Größe: „Wir haben zwei Tiefkühlhäuser, eines für Rohware, eines für Fertigware, in beiden Häusern ist Platz für zusammen 620 Europaletten“. Man achte schon darauf, so Werner-Dehen, dass die Produktion just-in-time, also quasi direkt in den LKW hinein erfolge: „Das Schöne ist ja, dass wir die Produktion mit unserer Software genau takten können, inklusive sämtlicher Transporte und Zwischenläger. Und auch die gesamte Rückverfolgung von Waren und Transportwegen ist über unsere ERP Lösung möglich“.

„Die sollen so bleiben wie sie sind“

Das Gute an godesys sei, so Ludwig, dass die ERP Software sehr flexibel in der Programmierung ist; er müsse er bei seiner Anwendung Verbräuche buchen und in der Datenbank abbilden, das sei nicht trivial. Dank der intuitiven Bedienbarkeit der Software könne er dies aber ganz allein erledigen. Und auch die Leute bei godesys seien sehr nett; besonders freue er sich über den direkten Kontakt zum technischen Vorstand Christian Simon: „Bei Microsoft wäre das völlig ausgeschlossen“. Hat er einen Wunsch an godesys? Ja, sagt Ludwig wie aus der Pistole geschossen: „Die sollen so bleiben wie sie sind“.