ERP-Trends 2017: Sie wollen wissen, wie das Jahr 2017 wird?
Godelef Kühl Strategie Industrie 4.0, ERP, Trends, Digitaler Wandel

ERP-Trends 2017- Teil 4: Ich sehe, dass ich nichts sehe

Hier kommt meine dritte Vorhersage für ERP in 2017. Es werden mehr, nicht weniger ERP-User. Und die meisten Nutzer merken nicht einmal, wenn sie ERP-Daten konsumieren und verarbeiten. ERP-Systeme sind heute Plattformen, um Geschäftsprozesse zu automatisieren.

Gutes ERP wird unsichtbar

Wenn der Sensor Daten funkt oder der Wareneingang automatisch einen Logistikprozess anstößt, braucht man keine Oberfläche. Die Prozesse laufen automatisch und mit dem Internet of Things (IoT oder Industrie 4.0 genannt) etabliert sich immer stärker eine Maschine-zu-Maschine Kommunikation. Wir Menschen werden nur noch gebraucht, wenn die Prozesse aus dem Tritt kommen.


Warum werden es dann aber mehr ERP-User? 

Das ERP im Jahr 2017 wird mit den Kunden und Lieferanten direkt interagieren. Ob Self-Service für den Kunden oder aktive Preispflege durch den Lieferanten, die Szenarien digitaler Wertschöpfungsketten binden neue Nutzerkreise in das ERP ein. Diese User nutzen einzelne Portlets auf einer speziellen Webseite oder aber eine mobile App, manchmal nutzen Sie auch einfach eine Drittanwendung, die sich per Webservice mit dem ERP unterhält. Es gibt nicht mehr das eine User Interface der ERP Anwendung. 

Und dann kommt noch der Amerikaner - Nein, nicht Trump - und erzählt uns, dass AI das neue UI ist. Alles klar? AI steht für Artificial Intelligence und sammelt alles was an hochfliegenden Begriffen rund um Künstliche Intelligenz zur Zeit zu finden ist. Dazu gehören z.B. auch die Sprachassistenten aus der Cloud. Wer braucht schon Userinterfaces - also UI - wenn er morgen einfach fröhlich mit seinem ERP-System plaudert. 

Sie sehen, die Welt der ERP-Oberflächen wird bunter. Vielleicht nicht vollständig in 2017, aber wer Prozesse digitalisieren möchte, der wird nicht um die Änderung der angestammten Verfahrensweisen in der ERP-Nutzung herumkommen.


Revolutionen vergangener Tage

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass 99% aller ERP-Systeme tolle Möglichkeiten zur manuellen Erfassung von Faxbestellungen bieten? An die Jugendlichen unter Ihnen: Faxsysteme waren das, was wir in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als fortschrittlich bezeichnet haben. Also eine für gut zehn Jahre irrlichternde Technologie. 

Im letzten Jahrzehnt haben wir dann die Webshop-Integration als Revolution bezeichnet. Der richtige Umbruch steht uns aber erst in 2017 bevor, denn jetzt können immer mehr Geräte direkt miteinander kommunizieren und voneinander lernen. So bieten sich bislang ungeahnte ökonomische Möglichkeiten. Durch die Vernetzung betrieblicher Verbrauchsgüter können wir Vertriebsprozesse komplett automatisieren. Das wird die Beschaffungsketten insbesondere für C-Waren in den nächsten Jahren auf den Kopf stellen. Wir können aber auch höherwertige Güter durch digitale Services ergänzen und damit vollkommen neue Märkte schaffen.

Besitz wird zweitrangig

In der 24/7 Service-Welt zahlen wir die Nutzung und nicht länger den Besitz. Und gewinnen wird derjenige, der es am besten schafft, die Nutzung zu optimieren. Sie kennen das Beispiel aus der Automobilbranche: wir alle zahlen viel Geld für ein Fahrzeug, das doch nur 95 % des Tages sinnlos auf einem Parkplatz steht, den wir zumeist auch noch bezahlen müssen. Um wie viel effektiver ist die Investition in einen PKW, wenn sie den Nutzungsgrad nur von 5% auf 10% steigern können? Auf wie viele hochpreisige Güter lässt sich dieses Zukunftsszenario übertragen? 

Wir leben in einer sich immer stärker ausprägenden OnDemand-Welt. Machen Sie schon Car-Sharing? Untervermieten Sie ihre Wohnung? Teilen Sie Ihre Bohrmaschine? Sind Sie Prime oder Netflix-Kunde? Wenn nun aber alle im Internet der Dinge sich schöne neue Geschäftsszenarien einfallen lassen, so bedeutet das vor allem, dass die ERP-Systeme die zur Abrechnung notwendigen Daten automatisiert erhalten müssen. In diesen Prozessen stecken gewaltige Werthebel.

Denken Sie bitte darüber nach, wenn Sie Ihr ERP das nächste Mal sehen. Wie sieht Ihr Szenario für einen automatisierten Geschäftsprozess aus?

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