Godelef Kühl Strategie-Markt

Der Zustand des ERP-Marktes 2016

Ich weiß ja, dass man nicht in den Garten pinkeln sollte, aus dem man gleich die Blumen ernten will. Aber da meine harmlosen Worte über den Zustand der Cebit (http://www.godesys.de/blog/einsichten/das-muessen-sie-ueber-die-cebit-2016-wissen/) von einigen Marktbegleitern direkt als „Schmähkritik“ eingestuft wurden, folgen hier meine Innenansichten. Mit der Wahrheit kann man doch kaum zum Böhmermann der ERP-Branche aufsteigen.

ERP-Projekte werden auch in 2016 vielfach auf der Grundlage alter Technologien durchgeführt. 80% der Systeme sind - unabhängig von den Marketingaussagen der Hersteller - in ihren Ursprüngen aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und haben damit das Fundament dieser Epoche. Proprietäre Datenhaltung, eine unilaterale Anwendungsoberfläche die eine direkte Integration von Drittdaten verweigert und Schnittstellen, die weder technisch noch juristisch zur digitalen Disruption einladen. Klingt nicht nett, ist auch nicht so gemeint. Ist aber bei den meisten ERP-Anbietern auch in 2016 noch genauso elementarer Bestandteil des Geschäftsmodells wie der Bonus beim Banker. Wir können uns über die Innovationen der letzten Jahre und die Wertigkeit Ihrer Reihenfolge streiten: Mobile Computing, Cloud, Big Data, Künstliche Intelligenz, MtoM. Leider aber nicht über den Grad der Umsetzung solcher Themen in den mittelständischen ERP-Lösungen.

Dabei beschreiben diese Technologien den digitalen Wandel - egal ob wir nun Industrie 4.0 oder digitale Transformation drauf schreiben. Der Wandel ist überall, er ist sichtbar und wird dennoch von der Mehrzahl der Unternehmen nicht erkannt. Beispiel: 2012 (also vier Jahre nach Erscheinen des ersten iPhone) erfolgten bereits 30% der Internet-Zugriffe in Deutschland mobil. Nur zwei Jahre später waren es schon 70% der Zugriffe. Inwieweit haben sich Unternehmen und ERP-Prozesse darauf bereits eingestellt? Neulich erzählte mir ein Kunde, dass sein Shop binnen einem Jahr den Anteil mobiler Online-Käufer (Smartphone) von 5% auf 21% gehoben hat. Das zeigt eine Dynamik, die nicht wahrgenommen wird oder die Entscheider schlicht nicht wahrnehmen wollen. Die meisten dieser Käufe sind übrigends Showrooming-Käufe, d.h. der Kunde steht beim Wettbewerber im Laden, vergleicht und schlägt online direkt zu. Der Wettbewerber hat also noch die Kaufberatung geliefert. Der moderne Kunde wird eben zum Arschloch, wenn man ihn nicht überzeugt.

Und wie antwortet das Silo-ERP auf solche Herausforderungen? Die mobile Applikation wird in dieser Welt der alten Silo ERP-Systeme durch häufig noch asynchrone Schnittstellen und eine bunte CRM-App gelöst. Der Kunde meiner Kunden kommt als mein neuer Kunde gar nicht vor. Hier ist also schon das nicht vorhandene Denken - geschweige denn der nicht vorhandene Business Blue Print - das Problem.

Und so erkennen auch in 2016 viele Anwenderunternehmen erst nach dem Kauf der neuen alten Lösungen - dass die notwendigen Daten für den mobilen Business Case im alten ERP-Silo liegen. Auch die notwendige Geschäftslogik auf dem Server liegt leider nur in alter Technologie vor. Und so laufen die Projekte langsam, teuer und individuell.

Heutige ERP-Szenarien haben Bedürfnisse, die durch die klassischen Auswahlszenarien mit ihren stupiden Fragekatalogen nicht erkannt werden. Schon bei der funktionalen Interpretation der ERP-Systeme leisten diese Fragenkataloge nur begrenzte Mehrwerte, bei der technischen Vergleichbarkeit scheitern sie schlicht. Märchen aus 1001 Nacht. In der Theorie kann meine Branche alles, in der Praxis verzweifeln Anbieter und Anwender an der technischen Komplexität. Digitale Geschäftsmodelle benötigen zur erfolgreichen Umsetzung einen modernen Technologiestack. Wir können ihn glücklicherweise liefern.

Der deutsche ERP-Markt steht vor einem tiefgreifenden Wandel der Anbieterstruktur. Mittelständischen Systeme und ihre Anbieter haben in Deutschland immer noch einen Marktanteil größer 50%, das ist die Frucht der ersten IT-Gründungswelle aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrtausends. Leider liegt der Apfel aber nun in vielen Fällen unter dem Baum, diese Generation der Gründer investiert nicht mehr in die Zukunft, sie versucht alles zu verkaufen. Die prominenten Beispiele des vergangenen Jahres sind Oxaion und Proalpha, hier müssen nun die neuen Eigentümer kräftig investieren. Gleichzeitig sind die Hoffnungsträger der letzten Dekade alle verglüht (miracle, greenax, semiramis, Bison). Die Zukunft hat viele Namen: Für die Schwachen ist sie unerreichbar, für die Verzagten ist sie unbekannt. Für die Kühnen ist sie ideal. Für godesys ist sie die aktuelle Chance: denn wir sind modern und erprobt zugleich.

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