Business Process Management
Godelef Kühl Strategie-Markt ERP, ERP-Lösung, BPM

Business Process Management

Um die Dynamik globaler Märkte und das mit ihrer Erschließung einhergehende Wachstum zu beherrschen, werden die Abläufe in Unternehmen immer komplexer. Verbessern lässt sich diese Situation durch Tools für das Business Process Management (BPM), die entweder in das vorhandene System eingebettet werden oder als eigenständige Werkzeuge auch die Interoperabilität insularer IT-Systeme verbessern. IT Mittelstand hat auch Godelef Kühl dazu befragt.

Bei der IT-Unterstützung in den Unternehmen ist heute im Mittelstand zunehmend Prozessorientierung gefragt. Auf welchen Wegen kann sie erreicht bzw. verbessert werden?

Unternehmen geht es heute um ein „Mehr" an Produktivität und Qualität. Seit den 90er Jahren reden wir von „Business Process Reengineering", meinen das Auflösen von Abteilungssilos und Herrschaftswissen und träumen von einem ganzheitlichen Ansatz, wo sich Unternehmen konsequent am Kunden orientieren und nicht nur in Geschäftsprozessen denken, sondern diese auch leben. Leider sieht die Praxis anders aus. Der Berater hilft dem Kunden zwar, ein in der Theorie durchorganisiertes Unternehmen zu schaffen. Trotzdem bleiben die Erfolge in der Praxis aus. Hier müssen beide Seiten nachbessern: Einerseits ist Prozessoptimierung Führungsaufgabe, fordert also zuallererst den Kunden. Andererseits ist effiziente Prozessoptimierung aber auch ganzheitlich, braucht also einen integrierten Ansatz und nicht nur ein hübsches Stück Software, das bunte Bilder erzeugt.

Was zeichnet moderne BPM-Tools aus, die derzeit zunehmend die bisher genutzten klassischen ERP-Lösungen ergänzen? Welche Hauptvorteile bringt das für Mittelständler?

Als ERP-Anbieter möchte ich nicht über die Merkmale von Komplementärprodukten urteilen. Auffällig ist allerdings, dass es auf dem BPM-Markt oft recht pseudowissenschaftlich zugeht. BPM-Tools liefern leider oft Prozessmodelle, die man nur mit tiefgreifenden Änderungen in der betrieblichen Praxis umsetzen kann. Der Unternehmer bezahlt also mehrfach: erst für das Tool und den BPM-Berater und dann für das ERP, was das Tool tatsächlich ersetzt. Aus Kundensicht müsste man daher fragen: Wo bleibt da die Logik?

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Die BPM-Tools können im ERP-System bereits integriert sein oder aber eigenständig arbeiten und auf dem ERP-System aufsetzen. Wo sehen Sie die grundsätzlichen Vor- und Nachteile beider Ansätze?

Wir haben schon vor beinahe 15 Jahren grafische Modellierungsmöglichkeiten im ERP integriert und erzielen damit sehr gute Ergebnisse. Dabei wird der Einzelprozess im ERP mit allen Berechtigungen und Prüfregeln entworfen, getestet und umgesetzt. Die Mitarbeiter sind durch die ERP-Nutzung gezwungen, die Regeln einzuhalten und die einzelnen Bearbeitungsschritte werden protokolliert. Das ganzheitliche Prozessmodell kann dann aus der Summe der Einzelprozesse entstehen. Es ist aber auch möglich, dass eben nur die kritischen Prozesse modelliert werden. Klassische BPM-Tools funktionieren Top Down, das heißt ohne vollständige Abbildung kein Prozessbild. In der BPM-Software sehen Prozesse zwar toll aus, aber nicht alles, was hübsch anzusehen ist, hat auch praktischen Nutzen. Die betriebliche Realität bietet oft nicht die Möglichkeit, alle Prozesse gleichzeitig zu optimieren. Wir überlassen es der Organisation, wann welche Prozesse zu modellieren sind. Das Ergebnis wird im ERP direkt angewendet – also zum Leben erweckt – und anhand der Ergebnisse permanent weiter optimiert. Unser BPM funktioniert also ganz pragmatisch Bottom Up und ist damit praxistauglich.

Dieses Interview erschien ursprünglich in IT Mittelstand Ausgabe 7-8/2014.

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