ERP-Trends 2017: Sie wollen wissen, wie das Jahr 2017 wird?
Godelef Kühl Einsichten Cloud 2.0, Cloud, ERP, Trends

ERP-Trends 2017-Teil 3: Cloud 2.0

Ich hatte Ihnen versprochen, dass ich hier meine Sicht auf technische Entwicklungen und neue Möglichkeiten rund um ERP so präsentieren möchte, dass Ihnen eine schnelle Beurteilung über Bedeutung und Durchdringung der Themen ermöglicht wird. Hier kommt nun meine zweite Vorhersage:

Die Cloud 2.0 kommt

Die Cloud wird weiter gewinnen. Nur nicht so, wie es uns derzeit verkauft wird. Die Zukunft der Unternehmen wird eben nicht aus einem Spaghettiwuchs von Services und Software bestehen, die ohne Integration auf einer Vielzahl von Plattformen von den armen Mitarbeitern nebeneinander bedient werden. Das mag für Startups passen, aber das Verständnis für Ordnung und Struktur entsteht ja auch bei uns Menschen erst während wir erwachsen werden. Je mehr digitale Dienste Anwender in Anspruch nehmen, umso mehr interessieren sich Unternehmen für die Integration und Automatisierung. Da hat die Cloud noch viel zu lernen.

Wir auch. Und so investieren wir seit dem vergangenen Jahr in den Aufbau eigener Cloud-Leistungen. Eingemietet in einem deutschen Hochsicherheits-Rechenzentrum bieten wir Ihnen auf eigener Hardware unsere Softwareprodukte inklusive aller notwendigen Betreuungsleistungen nun auch einfach aus der Steckdose. Aber mit dem unschlagbaren Vorteil, dass Sie jederzeit an alle Daten kommen und auch wieder aus der Cloud migrieren können. Sie wissen ja, für uns hat Offenheit eine hohe Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um die Bereitstellung einer vollständigen ERP-Installation.

Für viele Unternehmen steht neben der Flexibilität insbesondere Komplexitätsreduktion im Mittelpunkt der Entscheidung. Dies ermöglichen wir mit sogenannten hybriden Cloud-Szenarien: Während viele Unternehmen nach wie vor die eigene ERP-Datenbank inhouse betreiben wollen, können ergänzende Services wie Dokumentenmanagement, Business Intelligence oder mobile Anwendungen für Außendienst und Service einfach und schnell aus der Cloud ergänzt werden. Es ist eben nicht zwingend so, dass die Cloud billiger als eigene Hardware ist, vielmehr beruhigt es Unternehmen, wenn sie wissen, dass Applikationen stabil laufen und nicht nur von einem Administrator abhängig sind.

Wenn dann aber die Cloud 2.0 da ist, können Unternehmen einzelne Dienste über standardisierte Schnittstellen deutlich schneller kombinieren und profitieren von einer Reduktion der Komplexität beim Ausrollen anspruchsvoller Applikationen. Diese Schnittstellen sind Webservices, die auf einer standardisierten Basis zur Abrechnung angeboten werden.

Es sollte Sie daher nicht wundern, dass wir zwischenzeitlich den überwiegenden Teil unserer Entwicklungskapazitäten für die Entwicklung von Backend-Funktionen und Webservices aufwenden. Und es mag Sie überraschen, jede mobile App ist im ERP-Umfeld nichts weiter als eine konfigurierte Nutzung von Webservices. Gerade weil die digitale Welt sehr schnell so komplex wird, dass der Entscheider nicht alle Fakten sauber prüfen kann, wird die Cloud 2.0 gewinnen. Fehler können schnell korrigiert werden, denn wenn ein Dienst nicht überzeugt, wird gewechselt. Auch das ist Agilität.

So beschrieben, ist die Cloud ein Technologie-Layer. Der Insider oder Techniker mag anmerken, dass das Ganze durch Techniken wie die Virtualisierung erst möglich wurde und er das auch selber erledigen kann. Eben! Cloud 1.0 hat die Unternehmen - insbesondere in SAAS-Konzepten - noch fester in die Abhängigkeit von einem Anbieter getrieben.

Cloud 2.0 wird Ihnen die Freiheiten lassen, Anwendungen zwischen dem eigenen Rechenzentrum und einem beliebigen Infrastrukturanbieter zu verschieben. Diskussionen über Datensicherheit oder die Abhörlaunen ausländischer Mächte haben uns nämlich auch gelehrt, dass wir die Kontrolle über unsere Daten nicht abgeben können. Manchmal mögen wir es aber auch einfach nur bequem: denn wenn die Cloud uns schnell eine Anwendung liefern kann, bin ich bereits in der Umsetzung während der Nachbar noch sucht und auswählt.

Womit wir wieder bei dem Kern jeder betriebswirtschaftlichen Entscheidung ankommen. Auch die Cloud muss ihre Erfolge nachweisen. Sie wird sich durchsetzen, weil die betriebswirtschaftlichen Argumente eindeutig für sie sprechen. Für einzelne Unternehmen und Anwendungen kann die Antwort jeweils unterschiedlich ausfallen, je nachdem ob Applikation und technischer Sachverstand für den Entscheider strategische Bedeutung erhalten. Das stellt aber nicht das Konzept an sich infrage, denn der Unterschied wird nur darin bestehen, dass in diesem Fall eine Entscheidung für den internen Aufbau eines Cloud-Konzepts gefällt wird.

Godelef Kühl

Weitere Informationen

    0 Kommentare

    Neuen Kommentar schreiben

    Dies ist ein Pflichtfeld!
    Keine Kommentare gefunden!