Die Seelenqualen des Norbert F., IT-Leiter - godesys Blog
Mathias Schwaben Einsichten CRM-Lösung, ERP, ERP-Einführung

Die Seelenqualen des Norbert F., IT-Leiter - Teil 3

Die Qual der Wahl

Teil 3

Was bisher geschah:

Norbert F., IT-Leiter eines mittelständischen Unternehmens aus dem Schwarzwald, welches Töpfe und Pfannen herstellt, hat beim Chef die Einführung eines neuen ERP-Systems durchgeboxt. Außer ihm sah niemand diese Notwendigkeit, aber für ihn war es eine Frage der Ehre.

Die Qual der Wahl

„Wir kennen die Branche“, „Auf Augenhöhe“, „Viele Jahre Erfahrung“, „Anpassbar“, „Modular“, „Wachsen mit“ – na Klasse. Norbert F. saß an seinem PC. Seit Stunden quälte er sich durch die Internetseiten der ganzen ERP-Anbieter und auf jeder, auf wirklich jeder las er das Gleiche: „Wir sind toll“. „Mit uns haben Sie Ihre Geschäftsprozesse im Griff“. Das will ich ja auch hoffen. Für was sonst sollen wir denn ´ne halbe Million ausgeben? Da hatte sich Norbert F. auch ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt mit seinem übertriebenen Ehrgeiz Herrn Töpf von der Einführung des ERP-Systems zu überzeugen. Warum nur? Warum?? Hätte er doch seinen Mund gehalten, ab und an mal ein Antivirenupdate gefahren und monatlich Mäuse und Kabel gezählt, alles wäre gut gewesen. Aber nein, er musste ja wieder mit seiner Berufsehre daher kommen. Er war eben echter Informatiker, nicht einer dieser umgeschulten Bademeister, die sich heute als IT-Fachmann oder wahlweise Webdesigner ausgeben. Er wurde doch dafür bezahlt, dass er das Unternehmen nach vorn bringt, oder? Aber das Projekt konnte ihn den Kopf kosten. Das war ihm völlig klar. Aber jetzt saß er in diesem Zug und musste am richtigen Bahnhof ankommen. Er konnte es sich noch halbwegs einfach machen und einen typischen ERP-Platzhirschen empfehlen. Eine Lösung, die viele einsetzen, weil halt fast alle sie einsetzen; warum, weiß aber eigentlich keiner so genau. Und wenn es am Ende doppelt so teuer wird wie anfangs versichert, dann ist das doch scheinbar völlig normal. Wer könnte ihm da böse sein? Aber das wollte er nicht. Er musste von dem, was er tat, überzeugt sein. Er war sich sicher: Es gibt die richtige Software mit den richtigen Leuten für die TöPf GmbH. Und nun saß er da und fragte sich, wie er denn diese finden solle, wenn sich die ganzen Anbieter in Nichts anderem zu unterscheiden scheinen als durch die Farbe. Rot, blau, grün – und weil die Farbtöne aus den Achtzigern irgendwie etwas langweilig wirkten, hat nun jeder eine fetzige Komplementärfarbe dazu gepackt, „bissig“, „frech“, „jung“? Was ist das? Magenta-Neon-Pink?

Und auf jeder Seite grinsen einem diese ach so zufriedenen Kunden entgegen und ihre Zitate preisen den Anbieter, der ihnen scheinbar ein Paradies auf Erden schuf. Moment mal, dachte Norbert F., ich hab den Dommermuth doch letztens erst auf der einen Veranstaltung gesehen, wie alt ist denn dieses Foto überhaupt? Und was ist mit denen? Daimler ist Kunde? Ach ne, wenn man genau hinschaut ist es eine Mercedes-Vertragswerkstatt in Uffzenhausen. Na Klasse. Und Norbert F. erlebte dann auch, wie es sich anfühlt in der digitalen Welt verfolgt zu werden. Hatte er einmal einen ERP-Anbieter auf der Internetseite besucht, wurde er ihn nicht mehr los. Gleich wann und wo er mal eben kurz im Internet schaute, sie waren plötzlich überall. Sie verfolgten ihn auf youtube, ihr Banner legte sich über seine Nachrichtenseite. Selbst wenn er Hundefutter für seinen Labrador nachbestellen wollte, grinste ihn ein Typ im Anzug an, der ihm in einer Anzeige die Lösung aller Probleme versprach: besser, größer und ein dickes „wir wachsen mit Ihnen mit!“. Ging es hier wirklich noch um ERP? Abends saß Norbert F. erschöpft mit seiner Tochter auf dem Sofa vor dem Fernseher. Ihr zuliebe, weil Papa so wenig Zeit für sie hat, schauten sie nun zusammen „Der Bachelor“. Für ihn war das Fremdschämen pur. Ein junger Kerl, der aussah, als hätte man ihn an der Nase zum Trocknen aufgehängt und zehn aufgetakelte Frauen, die um seine Gunst buhlen. Die sich anbiedernden Damen erinnerten ihn an diese ERP-Anbieter und ihre Versprechen, ihn für den Rest seines Lebens glücklich machen zu wollen nach dem Motto „Nimm mich, Du bist nicht der Erste!“.

Aber es half nichts, es musste weiter gehen. Norbert F. macht am nächsten Tag Nägel mit Köpfen. Er bat drei ERP-Anbieter um ein Angebot: Die einen, die man immer anfragt, die anderen, die mit ihrer Lokalität werben und die dritten, die einige Referenzkunden vorzuweisen hatten, die halbwegs mit der TöPf GmbH zu vergleichen waren. Das erschien ihm noch das sinnvollste Kriterium. Er wusste nun, was ihn erwartete und es war klar, dass er dem nicht entkommen konnte: Vertriebler im Haus!

Fortsetzung folgt!

 

Das könnte Sie auch interessieren:

5 Punkte, die eine Geschäftsleitung über eine ERP-Einführung wissen muss

Die Seelenqualen des Norbert F., IT-Leiter, Teil 1

Die Seelenqualen des Norbert F., IT-Leiter, Teil 2

Weitere Informationen

    0 Kommentare

    Neuen Kommentar schreiben

    Dies ist ein Pflichtfeld!
    Keine Kommentare gefunden!